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IranSIC Newsletter 14. Dezember 2009 – Deutsch

14. Dezember 2009

Newsletter Nr. 143 – Montag, 14. Dezember 2009

Bevorstehende Ereignisse
Beginn der Organisation und Vorbereitung der Demonstrationen während der ersten Tage des Monats Muharram.

Nachrichten
– BBC: Mir Hossein Mousavi sagte, die Bewegung stelle mittlerweile erweiterte Forderungen an die Regierung, und die Tatsache, dass Einzelne „Rote Linien“ überschritten hätten, sei auf die harte und brutale Niederschlagung Opposition durch die Regierung zurückzuführen. Er sagte, die Menschen hätten das Recht darauf, Fragen zu stellen, und dieses Recht müsse gewährt und nicht mit Gewalt beantwortet werden. Dass die Forderungen heute weiter gingen als früher, liege an den anfänglichen Fehlreaktionen (seitens der Regierung, d. Übers.).
Zu den Demonstrationen am 7. Dezember sagte Moussavi: „Es wurden mit Schlagstöcken ausgerüstete Nicht-Studenten in die Universität gebracht, die sich als Studenten bezeichneten, um dann sagen zu können, dass die Studenten einander mit Tränengas angegriffen hätten. Das ist nichts als eine Täuschung und eine Farce, niemand glaubt ernsthaft, dass Studenten Tränengas besitzen. Es ist besser, den Menschen gegenüber ehrlich zu sein. Wenn diese militaristische Atmosphäre nicht aufhört, wird die Bewegung tiefer in den Untergrund gehen und sich radikalisieren.“

– Rahe-Sabz: Die Oppositionsführer Mir Hossein Moussavi und Mehdi Karroubi möchten eine Erlaubnis für eine Protestdemonstration gegen die im Fernsehen ausgestrahlte Schändung von Khomeinis Bild beantragen.

– Rahe-Sabz: Der frühere Präsident Mohammad Khatami hat nochmals die Freilassung der inhaftierten Studenten gefordert und bedauert, dass an dem diesjährigen Studententag noch mehr Studenten als zuvor verhaftet wurden.

– Radio Farda: Die offizielle iranische Nachrichtenagentur hat Medien aufgefordert, für Rafsanjani den Titel Hojatoleslam statt Ayatollah zu verwenden. Hojatoleslam ist ein niedrigerer Rang als Ayatollah.

– Rooz Online: The Supreme Leader used the pretext of the destruction of Imam Khomeini’s pictures to voice his attack against the Green movement and it’s leaders Mr. Mousavi and Mr. Karoubi.

– Radio Zamaneh: Der Hardliner Mojtaba Zolnour, Vertreter Khameneis bei den Revolutionsgarden, hat die Reformbewegung scharf angegriffen.

– Green Movement Path (Jaras): Der frühere Leiter der Teheran-Universität Mohammad Reza Zafarghandi, nahm auf Einladung der Islamischen Vereinigung der Medizinischen Wissenschaften an einer Zeremonie teil. Er kritisierte die Berichterstattung der staatlichen Medien über die kürzlich erhobenen Vorwürfe im Zusammenhang mit der Zerstörung von Bildern des Imam Khomeini und bezeichnete den Vorfall als organisierten Plan. Er erklärte: „Es ist schrecklich, Bilder des Imam zu zerreißen, aber es ist noch schlimmer, gegen seine Worte zu handeln. Der Imam hat ausdrücklich gefordert, dass das Militär sich aus der Politik heraushalten soll. Trotzdem sind die Revolutionsgarden heute sowohl politisch als auch wirtschaftlich tief involviert.“ Über die Grüne Bewegung sagte er: „Wenn die Grüne Bewegung, wie behauptet wird, nur wenige Anhänger hat, warum wird ihr dann nicht erlaubt, Demonstrationen abzuhalten, damit diese Angelegenheit klargestellt.“

– Advar News: Der politische Aktivist Ehsan Bodaghi ist am Samstag verhaftet worden.

Nachrichten aus den Universitäten
– Radio Farda: Studenten der Teheran-Universität haben wieder eine Demonstration gegen das Vorgehen gegen Studenten während der jüngsten Ereignisse abgehalten.

– Rooz Online: Studenten der Universität für Wissenschaft und Technologie in Teheran haben angekündigt, ihre Proteste auf dem Campus fortzusetzen und Lehrveranstaltungen zu boykottieren, bis ihre verhafteten Kommilitonen freigelassen sind und das Militär den Campus verlässt. Seit gestern protestieren sie täglich um 12:30 Uhr.

– Wave of Freedom: In der Sahand-Universität in Tabriz haben Studenten mit grünen Bändern, Tüchern und Armbändern eine Zeremonie der Basij gestört, bei der ein Hardliner-Geistlicher eine Rede hielt. Sie hinderten ihn daran, beleidigende Äußerungen über den angesehenen führenden Geistlichen Ayatollah Montazeri zu machen, indem sie Parolen riefen wie „Basijis sind Faschisten, sie werden dafür bezahlt, dass sie hier stehen“, „Tod dem Lügner“, „Ihr ruft Hossein Hossein, aber euer Stolz gründet auf Vergewaltigung“, „Ohne die Basijis würde Taraneh noch unter uns sein“ [Taraneh war eine junge Frau, die von den Basijis in den Unruhen nach der Wahl vergewaltigt und brutal ermordet worden war]. Berichten zufolge wollten die Basij-Studenten sich daraufhin rächen, allerdings waren sie den reformorientierten Studenten gegenüber in der Minderzahl und zogen sich zurück.

– Radio Zamaneh: Auch eine Woche nach dem iranischen Studententag am 7. Dezember gingen die Studentenprotest weiter. Schauplätze waren unter anderem Universitäten in Teheran, Semnan, Hamedan, Tabriz, Tousi und Kashan. Ein Sprecher der Vereinigung der Medizinstudenten an der Teheran-Universität sagte, da Moussavi und Khatami nicht auf den Campus gelassen worden waren, habe man den Studenten ihre Videobotschaft gezeigt. Diverse andere Persönlichkeiten aus den Reihen der Reformer waren in der Universität anwesend.

Analyse
– Rooz Online: Reformorientierte Medien haben Kenntnis über eine Reihe von durchgesickerten Sicherheitsdokumenten über die Proteste am Quds-Tag erhalten. Inhalt der Dokumente sind Berichte von Sicherheitskräften an ihre Vorgesetzten. Sie enthalten einige interessante Einzelheiten. In den Berichten wird Besorgnis über die Präsenz von Mitgliedern des Regierungs- und des Sicherheitsapparates in den Reihen der Demonstranten geäußert. Offenbar gibt dies Anlass zur Sorge über eine innere Gespaltenheit [innerhalb des Establishments, d. Übers.]. Die Berichte heben auch die Anwesenheit von Frauen hervor. Sie erkären, dass die Anwesenheit von Frauen und Mädchen bei den Protesten nicht nur unanständig sei, sondern auch die Männer dazu ermutige, mehr zu protestieren. Die Anwesenheit von Frauen habe also einen negativen Effekt. In den Berichten werden auch verschiedene Ansätze vorgeschlagen, wie mit den Demonstranten umgegangen werden soll. Genannt werden Einschüchterung und Drohung auf sozialer und politischer Ebene, so lange, bis den Demonstranten nichts übrig bliebe als der Rückzug.

Email: student.information.center@gmail.com
Tel: +1 (253) 234-IRAN , +1 (253) 234-4726
Join the mailing list:http://groups.google.com/group/student-information-center
Twitter: IranSIC
Deutsche Übersetzung: Julia; bei Weiterveröffentlichung bitte Link zu diesem Post angeben

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