Skip to content

IranSIC Newsletter 1. Februar 2010 – Deutsch

2. Februar 2010

Student Information Center (SIC)
Newsletter Nr. 164 – Montag, 1. Februar 2010

Pläne für die Zukunft
– Vorbereitungen für die Demonstrationen am 22. Bahman [11. Februar] und die Aktion „Zehn Tage ziviler Widerstand“.
– Gedenken zum 40. Tag nach dem Tod der Märtyrer von Ashura am 16. Bahman
– Gedenken zum 40. Tag nach dem Tod Ayatollah Montazeris am 14. Bahman
– Verstärkung des gewaltlosen zivilen Ungehorsams in der Gesellschaft
– In den Nächten bis zum 11. Februar „Allah-o Akbar“-Rufe
– Parolen auf Wände und Geldscheine schreiben

Nachrichten
-BBC: Am Sonntag, dem 11. Bahman (31. Januar) traf Mohammad Khatami (einer der „grünen Führer“) mit Mitgliedern des Zentralrats zusammen und warnte, der oberste Führer zeige Anzeichen von Voreingenommenheit gegenüber einer bestimmten politischen Gruppe. Es sei wichtig, dass sich der Führer weiterhin im Rahmen der Verfassung bewege, da er der Führer aller Iraner sei. Bezüglich der Gerüchte, dass Khatami einen Brief an den Führer geschrieben habe, sagte er: „Das sind Gerüchte, die die Menschen demotivieren und ihnen den Eindruck vermitteln sollen, dass ihre Führer sich von ihnen abgewandt haben.“
Dazu auch lesen: Khatamis Statement vom 1. Februar 2010

– Radio Farda: Am Sonntag hat die International Campaign for Human Rights in Iran ein Statement zu den letzten Erklärgungen des Gerichts herausgegeben. Darin heißt es, das Gericht habe 16 weitere an Ashura festgenommene Personen verurteilt. Diese 16 Personen seien aus verschiedenen politischen Gruppen ausgewählt worden, um die betreffenden Gruppen zu warnen.

– BBC: Die Teheraner Staatsanwaltschaft hat in einem Statement erklärt, die Anklagen gegen die Hingerichteten Arash Rahmani und Mohammad Ali hätten nichts mit ihrer Beteiligung an den jüngsten Protesten zu tun. Dies steht im Kontrast zu jüngsten Äußerungen dieser Behörde, in denen es geheißen hatte, dass diese beiden Personen mit 11 weiteren wegen ihrer Teilnahme an Protesten (wie an Ashura) zum Tode verurteilt wurden.

– Kalameh: Hojjatoleslam Seyyed Hassan Khomeini (der Sohn des verstorbenen Imam Khomeini) hat mit anderen Unterstützern den Schrein seines Vaters aufgesucht. Als Ahmadinejad eintraf, um seine Rede zu halten, verließ er den Ort sofort und besuchte die Familie von Dr. Beheshti (einem Unterstützer der Reformer). Auch an den Feierlichkeiten zum Gedenken an die Rückkehr seines Vaters nach Iran nahm er nicht teil.

– Radio Farda: Wie berichtet wird, sind einige Manager der mittleren Führungsebene der Industrie in den Tagen nach Ashura verhaftet und der Spionage beschuldigt worden. Zuvor waren auch Berater von Mir Hossein Moussavi auf Grund ähnlicher Angklagen inhaftiert worden.

– Call of Green Freedom: Die Friedensnobelpreisträgerin und Vorsitzende der Organisation Human Rights Defenders hat sich in einem offenen Brief an das iranische Volk gewandt und dazu aufgerufen, vereint gegen Gewalt und Ungerechtigkeit zu stehen. In einem separaten Teil des Briefes wandte sie sich auch an die Führungspersonen aus Regime und Sepah (Revolutionsgarden) und forderte sie auf, dem Willen des Volkes zu folgen. Die Menschen seien ihre schutzlosen Brüder und Schwestern.

– Webseite „Where is my vote“: Am Sonntag haben iranisch-französische Demonstranten vor der iranischen Botschaft in Neauphle le Chateau demonstriert, wo sich iranische Offizielle versammelt hatten [um den Tag zu feiern, an dem Imam Khomeini Frankreich in Richtung Iran verließ, so weit ich weiß, handelt es sich auch nicht um das Gebäude der Botschaft, d. Übers.] Sie riefen Parolen und protestierten gegen die Gewalt in Iran. Die Mitarbeiter und Gäste der Botschaft wurden ärgerlich, bewarfen die Demonstranaten mit Steinen und bedrohten sie körperlich. Der iranische Botschafter höchstselbst wurde von der französischen Polizei gemaßregelt, als er gewalttätig werden wollte.
Augenzeugenbericht und Video gibt es hier

– BBC: Die iranische Polizei hat in einem Statement angekündigt, dass die iranischen Kräfte in voller Kapazität für die Feierlichkeiten am 22. Bahman bereitstehen. Sie würden nicht zulassen, dass die Zeremonien von „Unruhestiftern“ gestört werden.

– Path of Green Movement (Jaras): Die staatliche Nachrichtenagentur IRNA hat ihr Logo geändert. Das Logo zeigte bisher die iranische Flagge. Jetzt ist die Farbe Grün aus dem Logo verschwunden. Auch bei offiziellen Anlässen in letzter Zeit war die Farbe Grün durch Blau ersetzt worden.

– Deutsche Welle: 82 Intellektuelle aus dem Ausland haben in einem Statement die Gewalt verurteilt und die Menschen aufgefordert, ihre Solidarität zu zeigen und zu verdeutlichen, dass Hinrichtungen sie nicht davon abhalten können, für die Demokratie auf die Straße zu gehen.

– SIC: Ein Video der Hundertjahr-Feier in der Stadt Yazd zeigt, dass die Feierlichkeiten von sehr vielen grünen Unterstützern frequentiert waren, die oppositionelle Lieder sangen.
Video (eingefügt vom Übers.)

Nachrichten von Verhafteten
– Call of Green Freedom: Gestern Nacht wurden Herr [Mohammad Taqi] Khalaji und einige andere politische Gefangene freigelassen. Es gibt keine Informationen über die gegen ihn erhobenen Anklagen oder den Termin für seine gerichtliche Anhörung.

– Path of Green Movement (Jaras): Morteza Samiary vom Zentralrat der Organisation Tahkim-e Vahdat [Büro zur Konsolidierung der Einheit, d. Übers.] wurde in der Haft unter großen Druck gesetzt, damit er Geständnisse ablegt. Vor Gericht sagte er in Verteidigung der Grünen Bewegung, dass Gedanken und Meinungen nicht vor Gericht verfolgt werden dürften. Er fügte hinzu, dass sein Befrager und andere Sicherheitskräfte ihn unter Druck setzen. So hätten sie ihn beispielsweise angewiesen, vor Gericht in einer bestimmten Weise aufzutreten, um einen [bestimmten] Eindruck bei den Zuhörern zu Hause zu erwecken.

– Path of Green Movement (Jaras): Mohammad Ali Rafiee, politischer Sekretär der Islamic Association of Law and Political Sciences an der Teheran-Universität, ist am Montag Abend von Sicherheitskräften verhaftet worden. Gleichzeitig berichten Familien einiger verhafteter Studenten, dass diese stark unter Druck gesetzt würden, damit sie vor laufenden Kameras Geständnisse ablegen, die dann im Fernsehen ausgestrahlt werden sollen.

Analyse
Die Webseite Jaras hat ein Interview mit Ebrahim Nabavi unter dem Titel „Trojanische Pferde auf dem Azadi-Platz“ veröffentlicht. Darin werden einige Empfehlungen für den 22. Bahman gegeben.
– „… Ich schlage vor, dem Modell des Trojanischen Krieges zu folgen. Wir begeben uns zu einer bestimmten Zeit an einen bestimmten Ort, ohne zunächst unsere wahren Absichten zu zeigen. Erst wenn wir dort angekommen sind, holen wir unsere grünen Tücher und Bänder hervor und geben uns voreinander zu erkennen. Das hilft den Grünen dabei, schnell zueinander zu finden und zu regeln, welche Parolen sie rufen wollen…“

– „… Ein Aufstand ist nicht notwendig. Die Präsenz großer „grüner“ Menschenmengen reicht aus, um die Sprecher zu irritieren und die Straße zu übernehmen. Denkt daran, dass es nicht darum geht, die Medien oder die Stadt einzunehmen. Es geht nur darum, einander und den Behörden eure große Präsenz zu zeigen. Auch wenn ihr das Gefühl habt, dass es um Revolution geht, bleibt ruhig und seid nicht zu aufgeregt….“

– „… Unsere Strategie besteht in der psychologischen Kriegführung, nicht im Straßenkrieg. Wir können unsere Mehrheit unter Beweis stellen und mit unserer Präsenz zeigen, dass unsere Wahlstimmen gestohlen wurden. Nach den Protesten müssen wir Fotos und Berichte an unabhängige Medien schicken.“

Abschließend sagte er: „Wir haben einen großen Krieg für die Freiheit begonnen. Die Menschen schauen auf uns, wir sind das Volk. Die Basijis tragen Zivilkleidung und haben tausend Gesichter, also müssen wir unsere Gesichter vor ihnen verbergen. Wir müssen sanft wie ein Nebel oder eine Brise beginnen und sie dann wie ein Sturm hinwegfegen – wie ein grüner Sturm.“

Empfehlungen und Warnungen
Mohsen Sazegaras Video vom Sonntag, dem 31. Januar 2010
2000 Angehörige von in Evin inhaftierten Gefangenen haben sich gestern bis spät in die Nacht vor dem Gefängnis versammelt, bis einige Gefangene freigelassen wurden. Die Trauernden Mütter treffen sich in verschiedenen Parks, was das Regime ermüdet hat.

Es gibt Anzeichen dafür, dass das Regime befürchtet, dass sich am 22. Bahman Millionen auf den Straßen zeigen werden. In diesem Fall könnten sie versuchen, das Volk zu beschwichtigen, indem sie Ahmadinejad absetzen. Insgesamt steht fest, dass die Präsenz der Menschen am 22. Bahman entscheidend ist, um dem Regime zu zeigen, dass alle Gewaltanwendung vergeblich war.

Mohsen Sazegaras Video vom Montag, dem 1. Februar 2010
1. In der Fabrik Steel Alborz Tire gehen Hungerstreiks und Proteste weiter. Es sind die ersten Streiks, die das Ölministerium betreffen.
2. A. Islami, der zurückgetretene Konsul in Japan, hat in einem Interview gesagt, dass die meisten Mitarbeiter der iranischen Botschaft in Japan mit den Grünen sympathisieren.
3. Die Firma ABD, aber auch andere schwedische Firmen, haben ihre Geschäftsbeziehungen mit Iran abgebrochen, ähnlich wie Siemens.
4. 40 verhaftete Personen wurden nach pausenlosen nächtlichen Protesten freigelassen. Es müssen mehr Proteste dieser Art organisiert werden, damit auch die anderen 4000 Gefangenen freigelassen werden.
5. Sazegara ging auf das Verteilen von nächtlichen Newsletters ein, in denen zur Teilnahme an den Protesten am 22. Bahman aufgerufen wird.
6. Wer in der Provinz lebt, wo es gefährlicher ist, am 22. Bahman zu protestieren, sollte nach Teheran kommen.
7. Khamenei und seine Familie bereiten sich darauf vor, ihren Wohnsitz an einen sichereren und geheimen Ort zu verlegen.

Email: student.information.center@gmail.com
Tel: +1 (253) 234-IRAN , +1 (253) 234-4726
Join the mailing list: http://groups.google.com/group/student-information-center/
Twitter: IranSIC
http://www.iransic.com/
Deutsche Übersetzung: Julia

****

Zusätze:

Global Week of Action – join us – mach mit – همراه شو عزیز
WEEK OF SOLIDARITY WITH THE GREEN FREEDOM MOVEMENT IN IRAN 6.2.2010 – 13.2.2010
Chicago, Strassburg, Florence , Berlin, Heidelberg, Hamburg, Bremen, Düsseldorf, Köln, Bonn, München, Karlsruhe ,Mainz, Dortmund,Antwerpen, Darmstadt……



1. Ergänzende Artikel in deutscher Übersetzung englischsprachiger Blogs, Artikel und Nachrichten zum Thema jenseits der internationalen Massenmedien: Julias Blog

2. Projekt „German Media for Iranians in Iran“
Unterstützung für Iraner in Iran, Druck auf das Regime
mehr erfahren
auf Facebook unterstützen

3. Aktionen, Informationen und Termine von United4Iran Deutschland: http://www.united4iran.de/

4. Sammlung aller aktuellen UN-Petitionen zum Iran (mit freundlicher Genehmigung von @nedaagain): http://petitionsforiran.wordpress.com/

Advertisements
No comments yet

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: