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IranSIC Newsletter 9. November 2009 – Deutsch

9. November 2009

Newsletter A8sgabe 127 – Montag, 9. November 2009

Pläne für die Zukunft:
‐ Proteste im „iranischen Stil“ an Donnerstag Abenden mit der Familie, in Parks und in der Stadt.
‐ An Samstagen: Nachmittags Begleitung der Mütter der Opfer der grünen Bewegung im Laleh Park

Zusammenfassung der Nachrichten:
Webseite Jamaran News:
Mir Hossein Moussavi sprach über seine Ansichten zur Geschichte der Fraktionskämpfe und über die aktuelle Situation in der Islamischen Republik. Er sagte: „Es ist nicht fair, bei all der Schlechtigkeit, den Mängeln und der Korruption von den Menschen zu verlangen, dass sie hinter dem Regime stehen.“ Er fügte hinzu: „milliardenschwere Verträge mit den Revolutionsgarden nützen weder der nationalen Wirtschaft, noch den Revolutionsgarden oder der Einheit des Landes, und allein dieses Vorgehen ist ein Risiko für das gesamte Land.“ Zur Rolle der Verfassung bei der Etablierung von Einheit sagte Moussavi, gegenwärtig würden einzelne Prinzipien der Verfassung hervorgehoben, andere jedoch ausgelassen. „Die Verfassung selbst ist jedoch nicht das Wort Gottes, und wenn nötig, können ihre Prinzipien überarbeitet werden.“
Das vollständige Interview ist dem Original-Newsletter beigefügt.
(Ein kurzer Artikel von Radio Zamaaneh über Moussavis Interview in deutscher Übersetzung auf englishtogerman: http://wp.me/pHnb6-63)

BBC News:
Mehdi Karroubi sprach über das doppelgesichtige Verhalten der iranischen Regierung im Zusammenhang mit dem Nuklearprogramm und den Beziehungen zu Amerika, und sagte, die iranische Regierung sei verwirrt. In einer Videobotschaft, die über soziale Netzwerke verbreitet wurde, einerseits versuche die iranische Regierung, eine Tür für Beziehungen und Dialog mit Amerika zu öffnen, andererseits versuche sie, eben dies zu verhindern. „Es kann nicht sein, dass die Interessen der iranischen Nation auf der Grundlage von Analysen, die dem Volk nicht bekannt sind, jeden Tag zum Spielball gemacht werden.“ Weiter sagte er, die Gespaltenheit im Verhalten der Regierung werde dazu führen, dass das Volk der Regierung nicht mehr vertrauen werde, und in der Tat hätten die Menschen „jedes Recht dazu, zu misstrauen“.
(Deutsche Übersetzung der Videobotschaft auf „englishtogerman“: http://wp.me/pHnb6-2Y)

Radio Farda:
Am Montag hat der Staatsanwalt der Revolutionsgerichts in Teheran („Tehran’s public and revolutionary prosecutor“) gegen die drei amerikanischen Kletterer Anklage erhoben, die vor drei Monaten die iranische Grenze in Kurdistan gekreuzt hatten. Die Anklage lautet auf Spionage. Parallel zu dieser Bekanntgabe forderte US-Außenministerin Hillary Clinton nochmals die sofortige Freilassung der drei Kletterer.

Norouz:
Die Islamische Vereinigung der Freien Universität Tabriz hat in einem Statement gegen die Verhaftung von Hassan Alizadeh und Behnam Nikzaad protestiert. Beide sind Studenten der Universität, sie waren am 13. Aban / 7. November an der Haltestelle des Campus-Shuttles der Universität von Zivilpolizisten verhaftet worden.

BBC:
Zwei iranische Nachrichtenagenturen berichten, die Regierung habe bekanntgegeben, dass 40 weitere der wegen Teilnahme an den Protesten am 13. Aban Verhafteten freigelassen wurden.

Parlemannews:
Mohammad Khatami zufolge bestehen die Voraussetzungen zur Erreichung nationaler Einheit und Verständigung darin, dass erstens die Regierung die Tatsache akzeptieren müsse, dass die Gesellschaft sich in einer Krise befindet. Zweitens müsste es möglich sein, alle Meinungen und Vorlieben („tastes“) frei zu äußern, die Kontrolle sämtlicher Einrichtungen und Immunitäten dürfte nicht nur einer Auffassung unterliegen, die einzig und allein auf die Eliminierung anderer ausgerichtet sei. Weiterhin müsse jeder die Möglichkeit haben, sich zu äußern.

Norooz:
Das zweite Treffen zur Vorbringung der Anklagen gegen Behzad Nabavi, ein führendes Mitglied der Organisation der Mojaheddin der Islamischen Revolution, fand trotz seines anderslautenden Gesuchs in einem privaten Gericht statt. Nabavi wies alle Anklagepunkte zurück.

Radio Farda:
Der schiitische Großayatollah Nasser Makarem Shirazi hat bei der Justiz der Islamischen Republik auf Gerichtsprozesse gegen die Angreifer auf Universitätswohnheime und die Verteidiger („defenders“, möglicherweise sind „defendants“ -Angeklagte – gemeint, d. Übers.) der Kahrizak-Katastrophe gedrängt. Er sagte, wenn nicht schnell gehandelt werde, würde dies dazu führen, dass die Menschen dem Justizsystem nicht mehr vertrauen.

Norouz:
Mohsen Armin, Sprecher der Organisation der Mojaheddin der Revolution, sagte: „Die konservative Strömung hat nicht länger die Unterstützung der hochrangigen Kleriker und Großayatollahs, und im Verlauf dessen haben die Sänger religiöser Lieder haben die Großayatollahs abgelöst.“
Er bezeichnete die grüne Bewegung als Impulsgeber für die Reformbewegung. Obgleich die Reformbewegung große Aufmerksamkeit erregt habe („despite its vast coverage“), habe sie zuvor nur im Kreis politischer Eliten und Aktivisten stattgefunden.

Taghir:
Seyed Mohammad Khatami hat Mehdi Karroubi im Zusammenhang mit den auf ihn verübten Angriffen am 13. Aban in seinem Haus einen Solidaritätsbesuch abgestattet.

Parlemannews:
Familienangehörige von „Saeed Abbasi“, der bei den Ereignissen nach der Wahl getötet wurde, haben die Zeitung „Hayat-e No“ gebeten, über die Schändung des Grabes ihres Sohnen zu berichten und haben der Zeitung Fotos des Grabsteins vor und nach der Zerstörung vorgelegt. Zuvor waren ähnliche Nachrichten über eine Beschädigung des Grabsteins von Neda Agha-Soltan veröffentlicht worden.

BBC News:
Die Britische Universität Oxford hat ein Stipendium mit dem Namen Neda Agha-Soltans, eines Opfers der Ereignisse um die iranische Präsidentschaftswahl eingerichtet. Das Queens-College an der Universität Oxford gab auf seiner Webseite bekannt, dass mit Spenden zweier wahrheitsliebender Menschen das Neda Agha-Soltan-Stipendium für Master-Studenten der Philosophie an diesem College eingerichtet wurde.

BBC:
Neun cineastische Gesellschaften haben in einem offenen Brief an das Ministerium für Kultur und Islamische Führung gegen das Ausreiseverbot für drei iranische Filmemacher protestiert und verlangt, Nachforschungen anzustellen, um die Angelegenheit aufzuklären. Jafar Panahi, Fatemeh Motamed‐Aria und Mojtaba MirTahmasb war am Flughafen die Ausreise aus dem Iran verboten worden.

Blog der Trauernden Mütter:
Am vergangenen Samstag haben Polizei und Zivilbeamte das Treffen der Trauernden Mütter im Laleh-Park verhindert. Sie zwangen die Mütter, den Park zu verlassen und sich zu zerstreuen.

Nachrichten von den Universitäten
Bamdaad News:
Nach der Verhaftung zweier Studenten am Institut für Elektrotechnik und Informatik an der Technischen Universität Khaje-Nasir am Samstag und Sonntag sind Studenten der Universität vor der Cafeteria auf dem Campus in einen Hungerstreik getreten. Sie riefen „Allah-o Akbar“. Nach den studentischen Protesten gegen die Anwesenheit von Saffar Harandi waren Sicherheitskräfte in die Wohnungen von Soheil Mohammadi und Ali Parviz eingedrungen und hatten sie illegal an einen unbekannten Ort verbracht. Ein kurzes Video des Streiks ist beigefügt.
(Folgendes Video eingefügt vom Übers.)

BBC News:
Wieder ist es anlässlich einer Rede des früheren Kulturministers der Regierung Ahmadinejad, Hossein Saffar Harandi, an der Universität Guilan zu lautstarken Protesten von Studenten gekommen. Am Sonntag hatte Harrandi im Hekmat Atrium der Universität Gilan eine Rede gehalten, die die Studenten mit Rufen wie „Unsere Schande, unsere Schande, der Kulturminister“ und „Armer Diktator, die Bewegung wird weitergehen“ beantworteten. Ein Video davon ist dem Newsletter beigefügt.
(Folgendes Video eingefügt vom Übers.)

Nachrichten von Verhafteten und Verstorbenen
BBC News:
Der Karikaturist Hadi Heidari, Ebrahim Shirkavand, Mohammad-Amin Shirzad, Mohammad-Javad Mozaffari und Maysam Vare, die vor mehreren Wochen während der Komail-Gebetszeremonie verhaftet worden waren, sind frei.

Empfehlungen und Warnungen
Mohsen Sazegaras Videos vom Sonntag, 8. November und Montag, 9. November 2009
‐ Zum Eingreifen der Polizei bei der Versammlung der Trauernden Mütter im Laleh-Park sagte Sazegara, es sei notwendig und gut, sich diesen Versammlungen wie auch denen der Angehörigen von Gefangenen anzuschließen.

‐ Die Streiks der Arbeiter der Kommunikationsgesellschaft Doorshir sollten unterstützt werden.

‐ Er bezeichnete die Entlarvung und Identifizierung von Schlägern der Putschregierung als sehr wichtig. Diese Leute müssten am Arbeitsplatz und in der Nachbarschaft ausgesondert werden, damit sie aufhörten, die Putschregierung zu unterstützen. Sobald sie sich von ihrem jetzigen Weg abwenden, müsste man sie akzeptieren und ihnen vergeben. (Sazegara sagte, ein guter Weg, um Druck auf sie auszuüben, sei, sie zu Hause zu kontaktieren).

‐ Er erwähnte die geringe Gewalt seitens der Regierung am 13. Aban in der Universität Shiraz. Bei künftigen Aktionen sollten wir uns überlegen, wie wir Teilnehmer der Grünen Bewegung vor Schaden schützen können.

‐ Bezüglich der Zukunft der Grünen Bewegung betonte Sazegara, sie müsse auf drei Ebenen wachsen: auf geographischer, sozialer und qualitativer Ebene (qualitativ bezieht sich auf Organisation und Information). Ein solches Wachstum sei essentiell für die Reife der Bewegung.

‐ Zum 16. Azar (7. Dezember) sagte Sazegara, diese Aktionen würden an den Universitäten an stärksten vertreten sein. Wir müssen die Aktionen auf Schulen und weiterführende Schulen ausweiten und auch Kontakt zu Lehrern aufnehmen.

‐ Der Abschluss des Vertrags zum Kauf der Kommunikationsgesellschaft durch die Revolutionsgarden stehe bevor. Für die Zeit danach sollten umfassende Sanktionen dieser Gesellschaft geplant werden.

‐ Sazegara betonte drei Prinzipien in der Reaktion auf den Putsch: Zerstörung der Legitimität, Schwächung, Spaltung und Lähmung. Die Revolutionsgarden seien dafür wegen ihrer zentralen Rolle bei dem Putsch das richtige Ziel.

‐ In welchem Maße die Präsenz der Grünen Bewegung bei den religiösen Zeremonien Tassoa und Ashoura zur Vollendung der Bewegung beitragen werde, hänge davon ab, wie gut es gelingt, die Revolutionsgarden und ihre Gier nach Kontrolle über alle Ressourcen zu schwächen.

Email: student.information.center@gmail.com
Tel: +1 (253) 234-IRAN , +1 (253) 234-4726
Join the mailing list:http://groups.google.com/group/student-information-center
Twitter: IranSIC

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Zusätze:

1. Projekt „German Media for Iranians in Iran“
Unterstützung für Iraner im Iran, Druck auf das Regime
Mehr erfahren
auf Facebook unterstützen

2. NEU: Sehr gute Videodokumentation über die ersten Tage nach der Präsidentschaftswahl, jetzt auch mit deutschen Untertiteln:

3. United4Iran Deutschland: http://www.united4iran.de/

4. Deutsche Übersetzungen von Blogs, Artikeln und Nachrichten zum Thema jenseits der internationalen Massenmedien: Julias Blog

5. Sammlung aller aktuellen UN-Petitionen zum Iran (mit freundlicher Genehmigung von @nedaagain): http://petitionsforiran.wordpress.com/

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