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SIC Newsletter 13. Oktober 2009 – Deutsch

15. Oktober 2009

Dienstag, 13. Oktober 2009

Pläne für die Zukunft
– An Donnerstag Abenden: Demonstrationen im „iranischen Stil“ mit Familien in Parks und in der Stadt
‐ Informationen über die Kundgebung am 13. Aban (4. November) verbrei

Nachrichten
– Radio Farda: Es gab heute eine weitere Studentendemonstration an der Teheraner Azadi-Universität. Die Proteste begannen friedlich, doch Sicherheitskräfte gingen mit Tränengas und Reizgas gegen die Demonstranten vor. Weiter wird berichtet, dass die Sicherheitskräfte die Demonstranten angriffen und mindestens 10 Studenten dabei verletzt wurden.

– BBC: Ein Chefbeauftragter für Menschenrechte hat am Dienstag in einem veröffentlichten Statement die iranische Regierung aufgefordert, die Todesurteile für 3 im Zuge der jüngsten Unruhen verhafteten Personen zu überdenken. Er äußerte die Hoffnung, dass die höheren Instanzen der Justiz diesen Fällen größere Aufmerksamkeit widmen werden. Zwei der drei Betroffenen werden angeklagt, mit monarchistischen Gruppen in Verbindung zu stehen, dem Dritten wird Zusammenarbeit mit den Mujaheddin-e Khalgh angelastet.

– Rooz Online: Narges Kalhor, die Tochter des Ahmadinejad-Beraters Mehdi Kalhor, hat einen Film über die Folter von verhafteten Demonstranten gemacht. Nachdem sie zur Teilnahme an einem Filmfestival den Iran verlassen hatte, beantragte sie nun Asyl in einem westlichen Land (nicht spezifiziert). In einem Interview mit Rooz Online antwortete sie auf die Frage nach der Botschaft ihres Films: „Wir werden die Qualen begrüßen und ihnen entgegengehen, bevor sie Gelegenheit haben, uns damit zu töten.“ Ob die Forderung: „Gebt uns unsere Stimmen zurück“ für sie noch Gültigkeit habe? „Nein, es für unsere Stimmen ist es zu spät. Jetzt wollen wir unser Leben zurück.“

– BBC: Mehdi Kalhor, dessen Tochter Asyl in einem westlichen Land beantragt hat, sagte, die Tatsache, dass der Flüchtlingsstatus seiner Tochter Schlagzeilen im Westen gemacht hat, zeige, dass es in der Islamischen Republik Freiheit gebe. Er fügte hinzu, seine Tochter sei vom Westen getäuscht worden. Seine Tochter erwiderte auf diese Äußerung: „Wenn ich vom Westen getäuscht worden wäre, würde mein eigenes Land mir mehr Schutz bieten, und ich müsste mich nicht in westliche Flüchtlingslager retten.“

– BBC: Der bekannte iranische Jurist Mohsen Seifzadeh wurde an der Ausreise aus dem Iran gehindert. Sein Pass wurde ihm von Beamten entzogen, als er im Iran einen Flug antreten wollte. Es wurden keine offiziellen Anklagen gegen ihn verlautbart.

Analyse
– Javan-e-Farda: Keyvan Mehregan hat Hossein Marashi zu den Ereignissen nach der Wahl interviewt. Marashis Einschätzung nach deuten die jüngsten Ereignisse darauf hin, dass eine dritte politische Gruppe zunehmende Macht erlangt. Er bezeichnete diese als „dritte Strömung“. Wie er glaubt, nimmt diese Gruppe die Reformer ins Visier. Sie würden zur Zeit Hashemi Rafsanjani und die Anhänger des Imam [Khomeini] unter Druck setzen. Er fügte hinzu, dass diese Gruppe zur Zeit nichts gegen den Obersten Führer unternehme, dies aber wahrscheinlich irgendwann, wenn sie mehr Macht habe, tun wird.
Marashi kommentierte die jüngsten Äußerungen des Chefs der Revolutionsgarden, mit denen er die Verhaftung von führenden Reformern gefordert hatte. Seiner Meinung nach hatten diese Äußerungen den Zweck, dass gegenwärtige politische Klima zu testen. Vermutlich sollte damit die Reaktion der Menschen geprüft werden: Wenn es seitens der Bevölkerung keine heftigen Reaktionen gibt, würde man den Ansatz der Verhafung führender Reformer weiter verfolgen.

Empfehlungen und Warnungen
In seinem neuesten Video hat Mohsen Sazegara folgende Punkte hervorgehoben:

Auf die Frage, ob er glaube, dass es in den für die nächsten Monate geplanten Protesten ähnliche Szenarien wie in der Ukraine geben könnte, antwortete Sazegara, dass die Situation im Iran anders sei. In der Ukraine waren die Menschen im kalten Winter so lange auf den Straßen geblieben, bis die Regierung zurücktrat. Die ukrainische Armee und Polizei hatten ihre Neutralität erklärt.
Die Revolutionsgarden würden jedoch auf einen Vorwand warten, um eine Konfrontation mit dem Volk herbeizuführen. In dieser Situation wäre ein ähnlicher Ablauf denkbar wie beim Tiananmen-Massaker. Aus diesem Grund sei eine fortdauernde Präsenz der Proteste auf den Straßen nicht möglich, wenn nicht ein größerer Teil dieser Kräfte sich auf die Seite der Menschen stellt.

Übersetzung aus dem Englischen: Julia
Original unter: http://groups.google.com/group/student-information-center
Bei Weiterveröffentlichung bitte Link zu diesem Post angeben.
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Zusätze:

1. Projekt „German Media for Iranians in Iran“
Unterstützung für Iraner im Iran, Druck auf das Regime
Mehr erfahren
auf Facebook unterstützen

2. Wichtiger als man denkt: Unterstützer, Mitglieder, Übersetzer gesucht für neue Facebook-Gruppe zur Übersetzung von Blogs, Artikeln und Nachrichten zum Thema Iran, die nicht in den Massenmedien erscheinen.

Warum mitmachen? Nicht nur für diese Facebook-Gruppe gilt: Je mehr Übersetzungsaktivitäten öffentlich sichtbar sind, desto mehr Druck entsteht für das iranische Regime. Darum hilft auch eine passive Mitgliedschaft in der Gruppe der Sache sehr, da sie den Verbreitungsgrad der Aktivitäten gegen das Regime dokumentiert.

3. United4Iran Deutschland: http://www.united4iran.de/

4. Deutsche Übersetzungen von Blogs, Artikeln und Nachrichten zum Thema jenseits der internationalen Massenmedien: Julias Blog

5. Sammlung aller aktuellen UN-Petitionen zum Iran (mit freundlicher Genehmigung von @nedaagain): http://petitionsforiran.wordpress.com/

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