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SIC Newsletter 12. Oktober 2009 – Deutsch

13. Oktober 2009

Montag, 12. Oktober 2009

Pläne für die Zukunft
– An Donnerstag Abenden: Demonstrationen im „iranischen Stil“ mit Familien in Parks und in der Stadt
‐ Samstags nachmittags: Die Mütter der Opfer der Grünen Bewegung im Laleh-Park begleiten.
‐ Informationen über die Kundgebung am 13. Aban (4. November) verbreiten.

Nachrichten
‐ Parlemannews: Mir Hossein Mousavi hat am Samstag Mehdi Karroubi in seinem Haus besucht, um über die Ereignisse nach der Wahl zu sprechen. In dem Gesprächs zwischen den beiden Kandidaten für die 10. Präsidentschaftswahl ging es um die anhaltende Beschädigung der Reformbewegung durch das iranische Staatsfernsehen, und die beiden Gesprächspartner betonten ihr gesetzmäßiges Recht, im Fernsehen auftreten und sich verteidigen zu dürfen.
Mir Hossein Mousavi erwähnte die russische Geschichte, die kommunistische Ära und das Verhalten der Kommunisten. Er fügte hinzu: „Irgendwann kam eine Gruppe von Menschen und versuchte, diejenigen zu eliminieren, die die Revolution ermöglicht hatten. In Büchern und auf Fotos über die Revolution wurden die Schlüsselrollen der Revolution gestrichen und es wurde versucht, die Geschichte zu verfälschen und für das Volk und die Welt umzuschreiben. Diese Regierung wurde demontiert, und Historiker schrieben die wahre Geschichte.“ Auf Grund der Länge und der Wichtigkeit dieses Treffens ist der vollständige Wortlaut des Artikels (auf Persisch) dem Original-Newsletter angehängt.
(ein Kurzbericht über das Treffen in deutscher Sprache findet sich auf http://lilalinda-juliasblog.blogspot.com/2009/10/irans-oppositionsfuhrer-fordern.html, d. Übers.)

‐ Parlemannews: Quellen aus dem nahen Umfeld des Vorsitzenden der Iranischen Handelskammer zufolge befindet sich dieser in Verhandlungen mit dem Generalstaatsanwalt von Iran (Mohseni-Ejaie, d. Übers.) über eine Freilassung des im Gefängnis inhaftierten Mohsen Safai Farahani*. In diesen Verhandlungen habe Mohseni Ejaie zugesagt, diesen Fall bis zum Chef der Vertretung des Privatsektors zu verfolgen.
(Anm. d. Übers. Mohsen Safai Farahani ist ein ehemaliger Wirtschaftsminister und der Vorsitzende des Fußballbundes . Er stand während des 1. Schauprozesses am 1. August 2009 vor Gericht)

‐ Parlemannews: Wie der Vizepräsident der parlamentarischen Gesundheitskommission in Teheran bekanntgab, hat die Kommission die Satelliten-Störwellen und ihre Auswirkungen auf die Gesundheit der Einwohner von Teheran bei einem Treffen heute untersucht. Vor einiger Zeit war bekannt geworden, dass neue Sendemasten und Sendetürme installiert wurden, um die Satellitenwellen in Teheran mit Störsignalen zu überlagern, und dass Gesundheitsrisiken damit verbunden seien. Nasrollah von der Minderheitenpartei im Parlament sagte: „Wenn der Kommunikationsminister keine Verantwortung für die zunehmenden Störgeräusche hat, sollten wir als höhere Instanz Herrn Ahmadinejad dazu befragen.“ Zohre Elahian vom Nationalen Sicherheitskomitee des Parlaments sagte auf Fragen von Journalisten nach Auswirkungen der Störwellen auf schwangere Frauen und erhöhter Fehlgeburtsraten: „Wenn offizielle Statistiken über erhöhte Fehlgeburtszahlen in den letzten Monaten verfügbar sind, kann diese Frage selbstverständlich untersucht werden.“

‐ Radio Farda: Behnoud Shojaie, der junge Iraner, der vor vier Jahren des Mordes angeklagt und im Alter von 17 Jahren zum Tode verurteilt worden war, ist am Sonntag Morgen in Evin gehenkt worden. Behnoud Shojaies Hinrichtung war zuvor schon mehrmals ankgekündigt, aber jedes Mal aus verschiedenen Gründen verschoben worden – unter anderem auch wegen Protesten von Menschenrechtsverteidigern. Zwei internationale und von Iran mitunterzeichnete Verträge, das Abkommen über Kinderrechte und das Abkommen über Zivile und Politische Rechte, verbieten die Hinrichtung von Personen unter 18 Jahren. Die Vereinigung der Menschenrechtsverteidiger im Iran hat vehement gegen diese Hinrichtung sowie die vom Revolutionsgericht erlassenen Todesurteile gegen mehrere im Zusammenhang mit den jüngsten Ereignissen verhafteten Personen protestiert.

‐ Radio Farda: Der frühere iranischen Präsident Mohammad Khatami hat nochmals seine Unterstützung für die „millionenfachen“ und „zivilen“ Proteste gegen die Wahl bekundet und versicherte den Gegnern der Bewegung, dass die Menschen nicht von diesem Weg ablassen würden. Als größten „Schaden“, den die Regierung während der Ereignissen nach der Wahl verursacht habe, bezeichnete er „die Beleidigung der Nation“. Er sagte: „Die authentische, zivile und millionenfache Bewegung war eine Bewegung im Einklang mit der Islamischen Revolution und der Islamischen Republik, und die größte Beleidigung war es, diese Bewegung als Unruhen zu bezeichnen und die Menschen zu beleidigen.“
(s. dazu auch Artikel von Radio Zamaaneh in deutscher Übersetzung: http://lilalinda-juliasblog.blogspot.com/2009/10/oppositionsfuhrer-der-widerstand-des.html, d. Übers.)

‐ Rooz Online: Ahmad Zeidabadis Ehefrau sagte bei einem Treffen mit Mitgliedern der Iranian Alumni Organization aus Kermanshah, in den vergangenen Monaten habe sie keine Informationen über die Situation ihres Mannes erhalten. Zeidabadi wird unter Druck gesetzt, weil er in einem Geständnis sich selbst belasten und sich für alles, was er in seiner politischen Laufbahn getan hat, entschuldigen soll.

‐ BBC News: (Morteza) Talai vom Teheraner Stadtrat hat gefordert, alle mit „revolutionsfeindlichen“ Parolen beschriebenen Banknoten aus dem Verkehr zu ziehen. Er bezieht sich damit auf Parolen wie „Tod dem Diktator“, das Siegeszeichen oder „“Wir werden Iran grün machen“. Diese Parolen werden von Anhängern der Grünen Bewegung, die gegen die Wahlergebnisse protestieren, auf Banknoten geschrieben.
(s. dazu auch http://lilalinda-juliasblog.blogspot.com/2009/10/banknoten-mit-oppositionsparolen-werden.html, d. Übers.)

‐ BBC News: Die Association of Combatant Clerics („Vereinigung Streitbarer Geistlicher“) hat zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate Irans Justizchef Sadegh Larijani wegen der Handlungsweise des Justizsystems ermahnt. Dies geschah in Form eines offenen Briefes, in dem Larijani aufgefordert wird, auf die Fragen zum Kahrizak-Gefängnis sowie Fragen zu „Rechtswidrigkeiten und Ungerechtigkeiten“ des Systems zu reagieren.

‐ Amir Kabir Newsletter: Am Sonntag haben Studenten der Khajeh Nasir Universität eine Gedenkfeier für die Opfer aus der Grünen Bewegung abgehalten. Wie AUT News mitteilt, riefen zunächst gegen Mittag Studenten der Fakultät für Maschinenbau und Industrie der Khajeh Nasir-Universität Parolen wie „Allah-u Akbar“ und „Tod dem Diktator“ in der Universitäts-Cafeteria, und protestierten gegen die Morde und den Wahlputsch. Danach versammelten die Studenten sich in den Eingangshallen und gedachten mit Kerzen und Fotos der Opfer der Bewegung.

‐ BBC News: Die britische Regierung hat ihren Firmen verboten, geschäftliche Beziehungen mit der Mellat Bank und der iranischen Speditionsorganisation („Shipping Organization of Iran“, gemeint ist die staatliche Reederei „Islamic Republic of Iran Shipping Lines“ (IRISL), d. Übers.)
Der britischen Regierung zufolge stehen diese beiden Organisationen in Verbindung mit dem Atomprogramm und der Produktion von Langstreckenraketen im Iran.

‐ Dem Original-Newsletter ist ein Video beigefügt, dass eineVersammlung von Studenten der Tehran Azad Universität am 14. Mehr (6. Oktober) zeigt.
(Da ich das Video nicht öffnen konnte, poste ich stattdessen die folgenden Links aus dem Channel von @onlymehdi – d. Übers.)

Nachrichten von Verhafteten, Vermissten und Verstorbenen

Empfehlungen und Warnungen
Mohsen Sazegara hat sein tägliches Video herausgebracht:
‐ Aktivitäten von Schülern und Studenten sollten sich nach der Situation richten, die Menge der Arbeit sollte in Abhängigkeit von dem herrschenden Druck und der Kontrolle über die Studenten koordiniert werden.
‐ Die Vertreibung der Basij von den Universitäten ist ein wichtiges Ziel, das auf unterschiedlichen Ebenen verfolgt werden muss. Die Isolation der Basij ist einer der besten Wege zu diesem Ziel.
‐ Der 13. Aban / 4. November ist eine weitere gute Möglichkeit, um von der Regierung genehmigte Demonstrationen für eigene Parolen zu nutzen.
‐ Parolen auf Banknoten und Wänden sind ein effektiver Weg, um die Bewegung auf eine breitere Basis zu stellen.

Übersetzung aus dem Englischen: Julia
Original unter: http://groups.google.com/group/student-information-center
Bei Weiterveröffentlichung bitte Link zu diesem Post angeben.
****
Zusätze:

1. Projekt „German Media for Iranians in Iran“
Unterstützung für Iraner im Iran, Druck auf das Regime
Mehr erfahren
auf Facebook unterstützen

2. Wichtiger als man denkt: Unterstützer, Mitglieder, Übersetzer gesucht für neue Facebook-Gruppe zur Übersetzung von Blogs, Artikeln und Nachrichten zum Thema Iran, die nicht in den Massenmedien erscheinen.

Warum mitmachen? Nicht nur für diese Facebook-Gruppe gilt: Je mehr Übersetzungsaktivitäten öffentlich sichtbar sind, desto mehr Druck entsteht für das iranische Regime. Darum hilft auch eine passive Mitgliedschaft in der Gruppe der Sache sehr, da sie den Verbreitungsgrad der Aktivitäten gegen das Regime dokumentiert.

3. United4Iran Deutschland: http://www.united4iran.de/

4. Deutsche Übersetzungen von Blogs, Artikeln und Nachrichten zum Thema jenseits der internationalen Massenmedien: Julias Blog

5. Sammlung aller aktuellen UN-Petitionen zum Iran (mit freundlicher Genehmigung von @nedaagain): http://petitionsforiran.wordpress.com/

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