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Newsletter des Student Information Center 7.8.09 – Deutsch

8. August 2009

(Damit der Informationsfluss nicht abreißt, stelle ich hier ausnahmsweise meine deutsche Übersetzung des Newsletters vom SIC ein, bis der Green Brief wieder erscheint.)

Freitag, 7. August 2009

Weitere Pläne
— Morgen früh, am Samstag, werden wir uns vor dem „Schwarzen Gericht“ treffen. Ort: Khayam Straße, nördlich der Gloubandak-Kreuzung, Davar Straße. Nähere Informationen sind unter http://www.mowjcamp.com/article/id/11061 erhältlich.

Nachrichten
— Radio Farda berichtet von einer Meldung von Amnesty International am Freitag, 7. August:
„Innerhalb von über 50 Tagen haben wir nicht weniger als 115 Hinrichtungen verzeichnet. Das bedeutet im Durchschnitt mehr als zwei Hinrichtungen pro Tag“, sagte Irene Khan, Generalsekretärin von Human Rights Watchdog.

–Radio Farda berichtet, dass am Vorabend des 8. August der Iranische Korrespondententag, Reporter ohne Grenzen und der Internationale Journalistenverband das Vorgehen Teherans gegen Medien und Journalisten verurteilt haben.
Während mindestens 33 Journalisten bei den Unruhen nach der Wahl verhaftet wurden, verurteilten die Reporter ohne Grenzen am Donnerstag die Verhaftung dreier Journalisten im Iran während der letzten zwei Tage.
–BBC: Der „Council of National-Religious Activists“ (Rat der nationalen religiösen Aktivisten) hat ein Statement veröffentlicht, in dem er sich gegen die Verhaftung von Haleh Sahabi, einer politischen Aktivistin wandte. Sie ist die Tochter von Ezzatollah Sahabi, einem prominenten iranischen säkularen Aktivisten.
In dem Statement wird sie als Koranforscherin und sozial und politisch engagierte Frauenrechtlerin vorgestellt, die am Mittwoch, 5. August in der Nähe des Iranischen Parlaments (wo Ahmadinejad den Amtseid ablegte) festgenommen worden war. Ein Augenzeuge sagte gegenüber BBC, dass sie von Sicherheitskräften in Zivilkleidung geschlagen und dann an einen unbekannten Ort verbracht wurde.

–BBC: Der Tag des Gedenkens an den 40. Todestag Kianoosh Asas, eines Opfers der Unruhen nach der Wahl, endete in Gewalt. Mindestens 10 Menschen wurden verhaftet. Die Zeremonie begann am Donnerstag um 17:30 Uhr in der Abbasi-Halle in Kermanshah. Die Sicherheitskräfte trieben die Teilnehmer auseinander, als diese auf dem Weg zu Asas Grab waren. Nach der Zeremonie begleiteten viele Gäste Asas Familie nach Hause. Dies wurde von der Polizei zunächst verhindert, dann jedoch konnte Asas Familie die Polizei zum Nachgeben überreden.

Einige Zeit später beschlossen einige Hundert Teilnehmer spontan, zu Asas Grab zu gehen, wie der Menschenrechtsaktivist Kah Kermanshahi berichtet. Sie riefen keine Parolen, sondern hielten lediglich Fotos von Kianoosh und Blumen in den Händen. Einige hatten Schilder mit der Aufschrift „Lebe nicht für den Tod, stirb lieber für das Leben“ oder „Unser Schweigen ist voller unausgesprochener Worte“. Die Polizei versuchte, die Menschen von Asas Grab fernzuhalten. Kermanshahi berichtet, dass dennoch mehrere Menschen bis zur Grabstätte vordringen konnten. Andere, die unabhängig davon dorthin gekommen waren, um Asa Ehre zu erweisen, schlossen sich ihnen an.
Sie riefen „Allahu Akbar“ und sangen das Protestlied „Yare Dabestani“, fügte der Aktivist hinzu.
Begleitet wurde dies von einer kleinen Tanbur-Vorstellung, denn die Familie Asa gehört zu den „Ahl-e Haq“-Kurden.

Neues von Verhafteten, Vermissten und Verstorbenen

–BBC: Zeinab Hajjarian, die Tochter von Hajjarian, berichtete in einem Interview mit BBC Persian über eine Verschlechterung der Atmungsfähigkeit ihres Vaters. Frau Hajjarian zufolge hat ihre Mutter eine gravierende Verschlechterung seiner Atemwegserkrankung beobachtet.

Vajihe Marsousi, die Ehefrau von Herrn Haffarian, hatte bei ihrem letzten Besuch gelbverfärbte Haut und schwere Atemnot bei ihrem Mann beobachtet.
Jetzt, nach 12 Tagen, hat sich der Zustand offenbar verschlechtert. Zeinab Hajjarian zufolge glauben die Ärzte ihres Vaters, dass diese Erkrankung von einer Lungenentzündung oder möglichen Schimmelpilzinfektionen herrühren könnte.

Analyse
— BBC: Sadegh Zibakalam, Professor für Politikwissenschaft in Iran, hat einen Artikel in der in Teheran erscheinenden Zeitung „Etemad“ veröffentlicht. In diesem Artikel vertritt er die Ansicht, dass die Anschuldigung gegen die Opposition einer „Samtenen Revolution“ einer Anerkennung der weitverbreiteten Unzufriedenheit in der Öffentlichkeit gleichkommt. Er unterstreicht außerdem die Strategien, die auf eine Förderung des „republikanischen“ Anteils am Regime zielen und schreibt: „Dieser Tage werden Reformer beschuldigt, samtene und farbige Revolutionen zu verfolgen. Es muss angemerkt werden, dass solche Revolutionen nur im Angesicht einer hochgradig unzufriedenen und entfremdeten Öffentlichkeit möglich sind… solche Ereignisse gab es auch in der Vergangenheit, z. B. 1952 mit der Auswechslung von Mossadegh durch Ahmad Ghavam, die großangelegte Demonstrationen nach sich zog, die wiederum in einen klaren Rückzug des Schahs und der Wiedereinsetzung des Kabinetts Mossadegh mündeten. Wenn die Bevölkerung für die Regierung ist und nicht gegen sie, ist der Vorwurf einer Samtenen Revolution bedeutungslos“.

E-mail: student.information.center@gmail.com
Tel: +1 (253) 234-IRAN , +1 (253) 234-4726
Newsletter abonnieren unter: http://groups.google.com/group/student-information-center
Twitter: IranSIC

Übersetzung aus dem Englischen: Julia
Original unter: http://groups.google.com/group/student-information-center

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Zusatz:
Aktuelle Demonstrationstermine in Deutschland gibt es hier (keine Gewähr für Vollständigkeit und Richtigkeit):
http://lilalinda-juliasblog.blogspot.com/2009/07/demonstrations-in-germany-alphabetical.html

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