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Green Brief 21 (7. Juli 2009) – Deutsch

8. Juli 2009

Übersetzung des “Green Brief” #21 vom 07.07.2009 aus dem Englischen
Original:
http://iran.whyweprotest.net/news-current-events/9305-green-brief-21-july-07-a.html

Ich bin NiteOwl, aka Josh Shahryar – twitter.com/iran_translator bei twitter – und ich habe mich in den letzten Stunden intensiv mit den Tweets aus dem Iran befasst. Ich versuche, bei der Auswahl meiner Twitter-Quellen sehr vorsichtig zu sein. Das, was ich unten zusammengestellt habe, kann ich über meine verlässlichen Twitter-Quellen bestätigen. Denkt daran – hier findet ihr ausschließlich Tweets!
(Meine Arbeit wird unter Creative Commons (CC) veröffentlicht, also könnt ihr sie frei verwenden).

Dies sind die wichtigen Ereignisse von Dienstag, 7. Juli 2009 in Iran, die ich bestätigen kann:

Proteste

1. Es gab Berichte über Gräueltaten in iranischen Dörfern. Teilweise bestätigten Berichten zufolge wurde ein Dorf nahe Kamyaran in der Provinz Kordestan wegen des dortigen Protests von letzter Woche durch Sicherheitskräfte in Brand gesetzt. Viele Dorfbewohner wurden außerdem verhaftet und befinden sich gegenwärtig in Gewahrsam.

2. In Erwartung von Mahmoud Ahamdinejads Rede am Dienstag Abend planten Menschen in ganz Iran eine einzigartige Maßnahme, um die Übertragung der Rede zu unterbrechen. Die Maßnahme bestand darin, möglichst viele elektrische Geräte einzuschalten und so die elektrische Versorgung landesweit zu unterbrechen. Berichte bestätigten, dass es während der Rede Teile von Karaj, Ghazvin, Sari, Tabriz, Isfahan, Rodehen, Saghez, Lavasan, Ahvaz, Khoramshahr, Dezful, Jahrom, Khomeini Shahr, Shahin Shahr, Folad Shahr, Kashan und Rasht massive Stromausfälle gab.

3. Stromausfälle wurden ebenfalls aus Ost-Teheran und den Gebieten Baharestan, Sarcheshme und Amir Kabir in Teheran Zentrum gemeldet. Unbestätigte Berichte melden Schüsse in Ost-Teheran und Angriffe von Basijis auf Menschen, die auf ihre Dächer kletterten, um “Allahu Akbar” und “Tod dem Diktator” zu rufen.

Opposition

4. Mousavi, Karoubi und Khatami trafen sich heute in Teheran. Die drei Führer bekräftigten nochmals, dass sie entschlossen seien, die Wahl für ungültig zu erklären. Sie riefen die Regierung auf, die legitimen Forderungen der Protestierenden anzuerkennen. Sie appellierten an die Regierung, alle politischen Gefangenen sowie die während der Proteste nach der Wahl inhaftierten Protestierenden umgehend freizulassen. Die drei Führer beauftragten Alireza Beheshti, Moghadam, Al-Weri und Amini mit der Untersuchung der Fälle der Verhafteten. Sie werden auch Familien befragen, deren Eigentum während der Proteste beschädigt wurde.

5. Hashemi Rafsanjanis Partei Kargozaran veröffentlichte gestern folgende Erklärung:
“Wir erklären das Wahlergebnis wegen des fragwürdigen Wahlvorgangs, der massiven Wahlfälschung und der voreingenommenen Auswahl der Kandidaten durch den Wächterrat für inakzeptabel.” Rafsanjani selbst hat diese Erklärung bisher nicht bestätigt, und sein Standpunkt ist noch immer unklar.

6. Es gibt teilweise bestätigte Berichte über ein Treffen Mousavis mit der trauernden Familie eines Protestteilnehmers am Montag Abend. Der Vater des Mannes sagte Mousavi gegenüber, dass sein Sohn nicht besonders politisch sei, jedoch großes Interesse an Mousavis Botschaft gehabt habe. Er sagte, sein Sohn sei nicht gewalttätig. Mousavi sagte der trauernden Familie, dass das Blut Unschuldiger niemals vergebens vergossen werde.

Internationales

7. Nach der gestrigen Andeutung von U.S.-Vizepräsident Joe Biden, dass die U.S.A. sich nicht einmischen würden, wenn Israel Irans nukleare Anlagen angreifen würde, soll Saudi Arabien Israel seinen Luftraum für künftige Angriffe auf Iran angeboten haben. Saudi Arabien bestritt heute jedoch, derartiges gesagt zu haben. Zwischenzeitlich verneinte U.S.-Präsident Obama vehement, dass Joe Bidens Bemerkung bedeute, die U.S.A.hätten Israel grünes Licht für einen Angriff auf Irans Nuklearanlagen gegeben.

8. Kanada erklärte heute seine Hoffnung, dass die G8 bei dem bevorstehenden Treffen in Italien eine einhellige und harte Haltung gegenüber Iran einnehmen werde. Äußerungen des Sprechers des Premierministers ließen erkennen, dass Kanada Irans Regime als äußerst gefährlich ansehe und auf eine geschlossene Position der G8 diesbezüglich hoffe.

9. Zehn Nobelpreisträger haben sich heute mit einem Brief an UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon gewandt und ihn gebeten, alles in seiner Macht stehende zu tun, um
die Verletzung der Menschenrechte in Iran zu beenden und die Freilassung der politischen Gefangenen zu gewährleisten. Sie baten darüberhinaus um die Entsendung eines Sondergesandten in den Iran, der die Menschenrechtsverletzungen und Regierungspropaganda gegen die iranische Nobelpreisträgerin Shirin Ebadi untersuchen solle.

10. Kenneth Roth, geschäftsführender Direktor von Human Rights Watch, rief die Regierungen der G8 dazu auf, die gewaltsamen Unterdrückungen von Protesten im Iran zu verurteilen. Die G8 müsse die Behauptungen der iranischen Regierung zurückweisen, “ausländische Kräfte” seien für die durch die iranische Regierung angewandte Gewalt verantwortlich. Die Gruppe rief die G8-Führer dazu auf, eine objektive Untersuchung der Übergriffe zu fordern und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Roth fügte hinzu: “Die G8 sollten klar machen, dass Iran gegen internationales Recht verstößt.”

11. Mahmoud Ahmadinejad sagte in einer Fernsehansprache heute Abend an das iranische Volk gewandt, die Wahl sei die “freieste” überhaupt in der gesamten Welt gewesen und beschuldigte ausländische Kräfte, sich in Irans innere Angelegenheiten einzumischen. Er behauptete, seine Gegner hätten keinerlei Beweise für einen Wahlbetrug vorgelegt. Seine Ansprache wurde wegen eines Stromausfalls kurz unterbrochen, die Übertragung wurde jedoch wenige Sekunden später fortgesetzt.

Verhaftungen / Freilassungen / Tote

12. Faizollah Arab-Sorkhi, ein reformorientiertes Mitglied von Mujahideen-e-Enghelab und naher Anhänger von Mohammad Khatami, wurde heute in seinem Haus verhaftet. Sein Aufenthaltsort ist unbekannt. Außerdem wurde bestätigt, dass ein weiterer Reformanhänger, Siyamak Haidarzadeh, zur Zeit festgehalten wird; wo, ist nicht bekannt.

13. Behauptungen der Teheraner Polizei zum Trotz, dass alle in der Universität Teheran festgenommenen Studenten freigelassen worden seien, hat der Kanzler der Universität bekanntgegeben, dass mindestens zwei Studenten weiterhin in Haft seien.

14. Das Büro von Mahdi Karoubi hat die Familienangehörigen von Verhafteten sowie diejenigen, deren Eigentum während der Proteste von Sicherheitskräften beschädigt wurde, dazu aufgerufen, die Ereignisse zu melden und dazu eine Telefonnummer eingerichtet: 227 131 35.

15. Der französische Präsident Nicolas Sarkozy verlangte die sofortige Freilassung der französischen Staatsbürgerin Claudette Reiss. Reiss war vor einigen Tagen verhaftet worden, als sie Iran vom Flughafen Teheran aus verlassen wollte. Sie hatte 5 Monate in Isfahan gelebt und Französisch unterrichtet. Reiss wurde vorgeworfen, Irans nationale Sicherheit gefährden zu wollen.

16. Bestätigte Berichte aus dem Evin-Gefängnis deuten darauf hin, dass die Folter von Inhaftierten an Intensität zugenommen hat. Eine verlässliche Quelle bestätigte, dass Inhaftierte mit heißem Wasser übergossen und am Schlafen gehindert würden, viele von ihnen seien in Einzelhaft genommen worden. Wir bestätigen nunmehr Vorkommnisse von sexueller Belästigung und Vergewaltigung sowohl männlicher als auch weiblicher Inhaftierter.

17. Das Büro der iranischen Generalstaatsanwaltschaft gab bekannt, dass nächste Woche die strafrechtliche Verfolgung von etwa 500 Inhaftierte – allesamt während der letzten Wochen im Zuge der Proteste verhaftet – aufgenommen würde. Dies geschieht zu einem Zeitpunkt, wo infolge der Verhaftungen während der Proteste tausende von Menschen in iranischen Gefängnissen vermutet werden. Viele hochrangige politische Gefangene haben keinen Kontakt zu ihren Familien aufnehmen können, viele sollen dringend medizinische Hilfe benötigen.

18. Während Ahmadinejads Ansprache war ein Insekt vor seinem Gesicht herumgeschwirrt, was ihn dazu zwang, erbarmungslos nach ihm zu schlagen. Verlässliche Quellen haben mittlerweile bestätigt, dass das Insekt verhaftet und nach Evin überführt wurde, wo es eine Verschwörung des Feindes Großbritannien zum Zweck der Verärgerung Ahmadinejads eingestand. Das Geständnis wird demnächst auf IRIB gesendet – bleiben Sie dran.

(Übersetzung: Julia)

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